Von Tauben und Katzen

Die Taube der Politik, Thorsten Schäfer-Gümbel (TSG), hat geduldig gewartet bis sich genug Müll angesammelt hatte, um sich jetzt den Wanst mit den politischen Resten vollzustopfen. Die Anomalie im Polit-Universum Gümbel kriecht hervor, sieht seine Stunde gekommen und gurrt gegen die Grünen. Vergleicht Öko-Populismus mit Rechts-Populismus, Äpfel mit Birnen und macht sich selbst ein X für ein U vor.

Doch wenn alle nach rechts blicken, rechnet niemand damit, was von links kommt. Kevin Kühnert beobachtet die Taube, wartet katzengleich im Gebüsch, um zum Sprung anzusetzen; lässt die Taube sich noch laben, noch mästen und schnurrt fröhlich vor sich hin. Er hat schon größere Kreaturen überstanden. Andrea Nahles hat er ausgestanden, die durch den Porzellanladen trampelte und dabei nicht nur jede Menge Keramik zerbrach.

Das Interims-Trio an der SPD-Spitze beschäftigt sich denn auch lieber mit Personal- als Programmdebatten und wird sich selbst annullieren, wenn klar wird, dass es letztlich nicht mehr war als eine rauschhafte Nacht in Las Vegas und nur zwischen den Drinks wie eine gute Idee erschien, gemeinsam zu paktieren.

Kühnert reibt sich die Pfoten, leckt sich die Nasenspitze und weiß, dass die Zeit für ihn spielt:

Wenn die Welt merkt, dass die Grünen zwar ein Thema, aber keine Lösungen haben, dann wird seine Stunde kommen. Wenn AKK die Meinungsfreiheit gegen Machterhalt eintauschen will, Friedrich Merz Aktien und Hahnenkämpfe als sichere Wertanlagen propagiert, dann kommt BigKev, der Schrecken der westlichen Welt, der Enteigner und jüngste Bundeskanzler der Bundesrepublik.

Die Bahn kehrt dann endlich pünktlich nachhause zurück, in die Hände der Steuerzahler. Ebenso die Post und ihre Paketdienste sowie die Telekommunikation: Die Steuerzahler bekommen ihr Eigentum zurück, die Ausbeutung der Angestellten hat ein Ende. Transparenz und Zuverlässigkeit erhalten Einzug in das Reich der Dividenden-Ausschüttungen. Der Kapitalismus jault auf, die Tritte setzen ihm zu, schmerzverzerrt werden die Banken zum Gegenschlag ausholen, Deutschland rigide abwerten und innerhalb der EU ächten.

Der dritte Weltkrieg, ein Finanzkrieg, der Kampf von Vermögen gegen alle anderen.

Anleihen werden nicht mehr als Altpapier wert sein und die Arbeitslosigkeit nach der Verstaatlichung von Immobilienhaien und Autokonzerngewinnen neue Höchstwerte erreichen. Die Opfer der sozialen Politik als obdachlose Mahnmäler. Eine soziale Dystopie, eine Romanze mit dem Tod, denn der Mensch ist nicht für das Soziale geboren. Der Mensch lebt für die Gier, den Neid und suhlt sich in der Dekadenz. Alles an Ideal ist Farce, reine Show und letztlich Utopie. Kühnert wird die soziale Revolution anführen und dabei zu Fall kommen, die Dolche beim Weltwirtschaftsforum werden tief in ihn eindringen und tödlich zeichnen.

Und dann: Kommt der Russe, die ewige Angst des Deutschen vor dem Osten. Endlich kann Erleichterung Einzug erhalten, wenn die latente Angst, die uns beherrscht, der Gewissheit weicht. Wir haben 1989 die Mauer in die falsche Richtung geöffnet, hätten uns dem Feind anschließen sollen, den wir nicht besiegen können. Der amerikanische Turbo-Kapitalismus war ein freiheitliches Versprechen, eine Theorie, ein Traum, aber letztlich: Ein Irrtum. Eine Welt der Gewinner gebärt ebenso viele Verlierer. Und: Thorsten Schäfer-Gümbel.
Die Taube, immun gegen die Krankheiten der Städte, anpassungsfähig und einfach immer da, wenn eine Krume den Boden berührt.

Kevin Kühnert hatte nie eine Chance, der soziale Gedanke ist nur ein Geschichtsbucheintrag und die SPD bald ebenso. Die Welt gehört den Vermögenden, den Reichen und Nimmersatten. Kühne(rts) Ideen haben hier nichts zu suchen. Allerdings hat Politik in einer von Wirtschaft und Banken gesteuerten Gesellschaft, die sich von Angebot und Nachfrage abgekoppelt hat, in dem sie selbst beides schafft wie es beliebt, keinen Platz mehr. Letztlich wie die Personaldebatten bei der großen Koalition: Ein bisschen Opium fürs Volk. Das politische Personal die Dealer und der Bundestag das Kartell.

Damit könnten wir uns vielleicht arrangieren, gebe es nicht zu viele Tauben, die einfach alles vollscheißen. Und das Schlimmste: Die fliegenden Ratten verbreiten sich und ihre Krankheiten. Katzen sind eigenwillige, aber zumindest reinliche Tiere.

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Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.