Wer hat an der Uhr gedreht?

Gestern wurden die Uhren eine Stunde zurückgestellt. Vielleicht ja schon das letzte Mal. Aber die Pläne die Zeitumstellung abzuschaffen sorgen für Diskussionen, welche Zeit die beste ist. Die Diskussion zeigt aber vor allem, dass man es den Deutschen nie recht machen kann.

Na, gestern eine Stunde länger geschlafen? Die Umstellung auf Winterzeit hat den schönen Effekt, dass man Sonntags noch länger schlafen kann. Dabei stellt uns moderne Technik vor die erste große Herausforderung. Denn nahezu jeder hat ein Smartphone oder Handy, das sich automatisch umstellt, aber auch analoge Uhren, die jetzt die falsche Zeit anzeigen. Welcher Uhr schenkt man also früh morgens sein Vertrauen und entscheidet, ob man sich nochmal umdreht und weiterschläft?

Schon bald ein Problem der Vergangenheit?

Vielen Deutschen war diese Frage wohl zu doof. Dankbarerweise gab es vor wenigen Monaten eine EU-weite Umfrage zu dem Thema. Jeder Bürger war angehalten sich für oder gegen die Zeitumstellung auszusprechen. Bei rund 4,6 Millionen Teilnehmern, war allerdings mehr als die Hälfte aus Deutschland. In der EU leben rund 512,6 Millionen Menschen. Es haben also nicht mal ein Prozent der Bürger an der Umfrage teilgenommen. Aber prozentual mehr als 50 Prozent Deutsche.

Das reicht schon fast, um von einem deutschen Wunsch und nicht einem EU-weiten Wunsch zu sprechen. Deutschland hat es also wieder mal geschafft, seine Vormachtstellung innerhalb der Grenzen Europas auszubauen. Herzlichen Glückwunsch.

Immer meckernde Almans

Das Absurde an der ganzen Sache: Jetzt, wo die Deutschen ihren Willen kriegen, da passt es ihnen auch wieder nicht. Die letzten Wochen waren von einer großen Debatte, ob wir jetzt für immer in der Sommerzeit oder Winterzeit leben wollen, begleitet. Da beide Seiten viele Anhänger haben, kann man jetzt schon eine Sache mit Sicherheit sagen: Irgendjemand wird am Ende angepisst sein, weil seine Lieblingszeit jetzt nicht mehr existiert oder weil er zwei Mal im Jahr an seiner Uhr drehen muss.

Mal abgesehen von völlig unqualifizierten Beiträgen wie “Ich will Sommerzeit, weil dann hab ich das ganze Jahr ein sommerliches Gefühl” – ja das kann man tatsächlich im Kommentarbereich einer Nachrichtenseite lesen – gibt es überzeugende Argumente auf beiden Seiten.

Beide Seiten haben Argumente

Befürworter der Sommerzeit argumentieren damit, dass es abends dann länger hell sei und es für die allermeisten Menschen keinen Unterschied mache, ob die Sonne um 3:30 Uhr oder 4:30 Uhr aufgehen würde.

Befürworter der Winterzeit wollen nicht, dass es in den kalten Monaten früh so lange dunkel bleibt und verzichten dann lieber auf eine Stunde Tageslicht am Abend.

Aber eine Frage bleibt: Wenn beide Zeiten so viele Vorzüge haben, warum will man dann eine davon abschaffen? Wenn man sich viele dieser Debatten einmal ganz objektiv anschaut, scheint die Zeitumstellung die eierlegende Wollmilchsau zu sein. Irgendwie hat man das Gefühl, die EU hat sich da in etwas verrannt und kommt nicht mehr raus. Pech gehabt, ihr wollt es, ihr kriegt es.

Alle oder keiner

Am Ende stellt sich die Frage, ob das Ende der Zeitumstellung wirklich von allen Europäern gewünscht wird. Aber das wird sich noch zeigen, denn letztlich muss jedes EU-Land selbst entscheiden, ob es die Zeitumstellung abgeschafft. Keiner möchte, dass die Zeitunterschiede innerhalb der Europäischen Union noch mehr auseinander klaffen. Wie gut, dass wir noch ein bisschen Zeit haben, bis der Bürokratieapparat Europa das alles umsetzt. Wahrscheinlich sogar bis 2021.

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Article by Lukas Rumpler

Ich studiere Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft.