Wer spült bei euch das dreckige Geschirr?

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Unter jungen Menschen ist es mittlerweile üblich, dass Männer und Frauen den gleichen Anteil an der täglichen Hausarbeit übernehmen. Vor allem junge Männer sprechen und schreiben viel davon, wenn sie diese Aufgaben übernehmen. Kaum ein junger Vater verzichtet heute auf den obligatorischen Social-Media-Post von sich und dem Kind beim Windel wechseln. Verschiedene Indizien legen aber nahe, dass es mit der gleichen Arbeitsverteilung nicht allzu weit her ist. 

  • Die Arbeiten im Haushalt wurden in der Vergangenheit fast ausschließlich von Frauen übernommen.
  • Wie eine Studie zeigt bleibt die Hausarbeit auch bei Paaren, die sich selbst in dieser Hinsicht für fortschrittlich halten, immer noch ungleich verteilt
  • Sozialpolitik kann Lösungen bieten, z.B. Teilzeitarbeit ermöglichen und die Anzahl der Vätermonate bei der Erziehungszeit erhöhen

 

„Ich mache das nachher schon“ – wer hat diesen Satz nicht schon gehört? Der Abend war schön, das Essen lecker, die Gespräche gut: Nun wartet der Abwasch. Wer gekocht hat, ist meist auch hier zuhause. Die Gäste fragen dann meistens: „Soll ich Dir noch beim Abwasch helfen?“ Und die Antwort ist fast immer dankende Ablehnung. So viel sei das ja nicht, es sei ja schon spät, das ginge morgen auch noch, man spült ja gerne. In den meisten Fällen wird dann so ein freundliches Ablehnen auch gleich ohne weiteres Nachfragen dankend angenommen.

Hausarbeit: immer noch ungleich verteilt

Die Arbeiten im Haushalt fallen jeden Tag an und nehmen einen großen Teil unserer Zeit in Anspruch. In der Vergangenheit wurden diese Arbeiten fast ausschließlich von Frauen übernommen. Bei jüngeren Paaren, so wird zumindest meist behauptet, ist die Last der Hausarbeit gleichmäßiger auf die Schultern beider Partner verteilt.

Doch auch bei diesen Paaren bleibt die Arbeit oft an den Frauen hängen. Die Soziologinnen Cornelia Koppetsch und Sarah Speck haben 2016 in einer Studie ermittelt, dass gerade Paare aus der städtischen Mittelschicht viele rechtfertigende Erzählungen erfunden haben, wieso die Arbeit effektiv immer noch von Frauen verrichtet wird: Man hat eben unterschiedliche Sauberkeitsstandards. Das trifft ebenso auf linke Paare und WGs zu, die gerne die gleichmäßige Verteilung der Hausarbeit betonen.

Vor allem an der langfristigen Planung des Haushalts nehmen Männer kaum teil. Den Überblick hat bei heterosexuellen Paaren meist die Frau. Wer dieses Muster aufbrechen will, muss gleich zu Beginn der Beziehung damit beginnen. Sonst gewöhnt sich der Partner daran, nicht abspülen zu müssen. Nicht zu wissen mit wie viel Grad die Wäsche gewaschen wird. Und wenn das erste Kind kommt, verfestigen sich diese Muster noch weiter. Wie viele Väter wissen, wo sie den täglichen Bedarf für das Kind kaufen können und welche Telefonnummer die Tagesmutter hat?

Lösung: Kitas, Teilzeitarbeit und Vätermonate bei der Erziehungszeit

Was kann nun die Sozialpolitik leisten? Natürlich sollte der Staat nicht wahllos in Entscheidungen der Haushalte eingreifen. Gezielte Anreize können aber zu einer Verbesserung der Situation beitragen – und das für alle. Der Ausbau von Kitas wie im unlängst beschlossenen Gute-Kita-Gesetz könnte helfen, Familien zu entlasten. Aber nicht alle Familien wollen ihre Kinder möglichst schnell nach der Geburt in Betreuung geben. Viele möchten gerne in Teilzeit arbeiten.

Leider ist Teilzeitarbeit in vielen Firmen noch immer ungewöhnlich. Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf jedoch ist sie in vielen Situationen unerlässlich. Dabei sind es oft auch gerade Männer, denen die Teilzeitarbeit auch auf Nachfrage verwehrt bleibt: Nur 11 Prozent von ihnen arbeiten in Teilzeit. Das „Normalarbeitsverhältnis“ der 40 Stundenwoche ist noch immer zu sehr in den Köpfen verankert. Die ersten Jahre sind für die Entwicklung eines Kindes entscheidend, und eine Benachteiligung von Vätern bei der Teilhabe an ihrer Betreuung ist für die Väter persönlich und für die Gesellschaft insgesamt fatal. Mehr Gleichberechtigung könnte hier durch die Ausweitung der Vätermonate bei der Erziehungszeit erreicht werden.

Die beste Antwort auf die Frage: „Soll ich Dir noch beim Abwasch helfen?“ lautet also: „Ja, sehr gerne“. Bei einem Nein müssen insbesondere Männer auf das Recht auf ihren Anteil an der Hausarbeit bestehen. Vor allem muss auch die Anerkennung für die täglichen Arbeiten im Haushalt für Frauen und Männer gleichermaßen steigen. Einen Haushalt oder ein Unternehmen zu führen – grundsätzlich verschiedene Aufgaben sind das nicht.

 

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Patrick Klösel

Article by Patrick Klösel