Wir sind nicht zufrieden – Dritte Welle des Feminismus

Feminismus ist ein trendiges Thema und es lässt sich gut vermarkten. Vor über einem Jahr bekam die Frauenbewegung mehr Rückenwind durch den Hashtag #Metoo. Alle Welt begann zu diskutieren, mehr Vergewaltiger stehen vor Gericht und man stellt sich immer mehr die Frage: Haben wir eine Gleichstellung der Geschlechter?

Die Frauenbewegung lässt sich in Wellen einteilen. Die erste und die zweite Welle waren Thema der letzten Erscheinungen von “femme courageuse”. Die dritte Welle kam erst in den 90ern und hatte vor allem ein Motto: Wir sind noch nicht zufrieden.

 

Die dritte Welle der Frauenbewegung (Teil 3)

(ca. 1990 bis 2000er)

Die 70er waren eine Zeit voller Demonstrationen und Widerstand gewesen. Doch aus feministischer Sicht schlief die Frauenbewegung in den 80ern ein. In dieser Zeit begann der Antifeminismus populärer zu werden: Frauen sollten doch ihre Ruhe geben, viele Ziele seien doch erreicht – so teilweise der Konsens. In der 90ern stand die Frauenbewegung diesem Antifeminismus gegenüber, wurde als uncool und verstaubt angesehen und in der Allgemeinheit nicht ernst genommen.

Bis dato durfte die Frau in Deutschland wählen und war losgelöster von ihrem Mann, das heißt, sie durfte sich ihren Job selbst aussuchen, konnte ohne Einverständniserklärung des Mannes arbeiten und konnte über ihr Geld selbst verfügen. Aus diesem Grund stießen die Feministinnen auf viel Ablehnung bei den Männern. Die Frauen hatten ja das was sie wollten.

Doch die Frauenbewegung wollte mehr. Viele sahen die Ziele des Feminismus immer noch nicht vollständig verwirklicht und wünschten sich, mehr institutionelle Einbindung des Themas Feminismus durch zum Beispiel Gleichberechtigungsbeauftragte. Auch sollten Fehler der Zweiten Welle wieder ausgebügelt werden, wie das teilweise komplette Ausschließen der Männer.

In der dritten Welle des Feminismus begann man, über den Unterschied zwischen Sex und Gender, also dem biologischen und dem sozialem Geschlecht zu sprechen. Es galt soziale Konstrukte zu hinterfragen. Warum soll ich etwas tun, basierend auf einem Geschlecht? Was ist, wenn ich mich anders zugehörig fühle?

Immer mehr wurde in dieser Zeit auch das Thema “Identität” an sich mit einbezogen. Sexualität, Hautfarbe und Herkunft wurden auch Themen der dritten Welle und mit der Gender-Thematik entstand der bis heute populäre “Queerfeminismus”. Der “Queerfeminismus” geht davon aus, dass Geschlechterunterschiede aus der Kultur heraus entstehen. Wenn man gewisse Normen überwinde, überwinde man auch die Unterschiede der Geschlechter.

Aber das wurde dann schnell auf das Konstrukt “Identität” an sich bezogen. Es ging nicht mehr nur um Frauenrechte, sondern man war auch anti-rassistisch und anti-homophob eingestellt. Alle Unterschiede und Benachteiligungen sollten verschwinden.

Es gibt aber auch andere TheoretikerInnen, die den Ökofeminismus als dritte Welle des Feminismus bezeichneten. In den 70ern entstanden, wurde der Ökofeminismus in den 90ern populärer. Die These: Zwischen der Unterdrückung der Frau und der Zerstörung der Umwelt gäbe es einen Zusammenhang. Die Frau und die Natur seien gleichweise schützenswert.

Wichtig war in den 90ern die Riot-Grrrl-Bewegung aus den USA: Sie entstand in der Punk-Szene aus dem einfachen Problem heraus, dass es mehr männliche Punk-Künstler, als weibliche gab. Kathleen Hanna ist eine der Frauen, die großen Einfluss auf die Szene hatten. Mit ihren Bands Bikini Kill und Le Tigre war sie maßgeblich an der Erneuerung des Feminismus beteiligt.

Die Riot-Grrrl-Bewegung riss die Frauenbewegung aus der Verstaubtheit und machte Feminismus wieder trendy. In all den Songs dieser Punk-Gruppen war Sexismus eines der Hauptthemen. Teile der Bewegung schwappten bis nach Europa und die russische Band “Pussy Riot” machte die Bewegung im Jahr 2012 wieder bekannt.

Ein wichtiges Merkmal der dritten Welle ist das Internet. Über das tauschen sich die FeministInnen aus und organisieren sich. Deshalb sind auch lockere Bündnisse und weniger politische Verbände sehr stark ausgeprägt.
Die dritte Welle, argumentieren viele, geht bis heute. Manche bezeichnen aber auch Me-Too als eine ganz neue Ära, in der der Feminismus nochmal eine ganz neue Richtung bekommen wird.

 

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Article by Sarah Walz